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Reisebericht Brasilien

AMAZONAS im Regenwald – Expedition „Guarana“

Wie alles kam

Brasilien ReiseMein Reisetermin stand noch nicht ganz fest und dann kam das „Unverhoffte“: Eines Tages rief mich der Sender PRO7 an und stellte sehr detaillierte Fragen zu „Guarana“. Sie seien auf der Suche nach einem Guarana-Experten aus Deutschland mit dem sie vor Ort in Brasilien einen Film über Guarana - von der Ernte bis zum Endprodukt - drehen wollen. Mein guter Kontakt zu brasilianischen Lieferanten und Kooperativen sowie die Tatsache, dass ich mit zu den ersten Importeuren für Guarana in Deutschland gehörte, waren ein weiteres Plus. Und so war ich gespannt und aufgeregt, denn ich konnte eine Geschäftsreise mit dem seltenen Erlebnis einer Filmaufnahme kombinieren!

Begleiten Sie mich auf dieser spannenden und unvergesslichen Reise in den Urwald.

Abflug und Ankunft

Aus dem nasskalten November-Deutschland in den feuchtwarmen Regenwald fliegen, ist ein echtes Kontrastprogramm. Das Erste, was man beim Landeanflug sieht, ist eine unbeschreibliche, grau flimmernde Betonwüste namens Sao Paolo: brodelnde Metropole, wildes Verkehrschaos, Hitze. Zum Glück muss ich hier nicht bleiben.

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1. Etappe – eine kleine Acerola-Fabrik – und Plantage bei Ourinho

Mein erstes Ziel ist ein guter Geschäftspartner in Ourinho, Herr Moacir.

Aus Liebe zur Natur zog er aus Sao Paolo weg, um sich in unmittelbarer Nähe zu kleinen Acerola-Plantagen um den Anbau und die Weiterverarbeitung der Früchte zu kümmern. Wobei Plantagen etwas übertrieben ist: es sind eher riesige Gärten, in denen unter anderem auch Acerola-Sträucher wachsen. So können die frisch geernteten Früchte auf kurzen Anfahrtswegen zur Produktionsstätte transportiert und schnellstens verarbeitet werden, um höchste Qualitätsansprüche zu erfüllen.

Von Oktober bis April/Mai findet die Acerola-Ernte statt Auch ich helfe zwei Tage beim Pflücken der reifen Acerolakirschen mit, die ich in einem Umhängebeutel sammle und anschließend in Kisten umfülle, die täglich von Herrn Moacir abgeholt und sofort weiterverarbeitet werden.

Vor dem Abschied gibt es noch eine gesellige Mahlzeit im Haus der Plantangenbesitzer, Jose mit seiner Frau und zwei Söhnen, bestehend aus Feijao. Dieses traditionelle Bohnengericht gibt es immer und überall. Zum Nachtisch werden Acerolafrüchte direkt vom Strauch serviert.

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2. Etappe: Bahia de Salvador

Salvador ist die bekannteste Touristenstadt Brasiliens mit den schönsten Stränden. Aber zum Sonnenbaden habe ich keine Zeit, denn für mich kommt jetzt der spannendste Moment, ich treffe das Galileo-Filmteam: Claudia, Paul und Jens. Sie begrüßen mich auffällig erleichtert, was auch einen guten Grund hat: sie sprechen alle kein Wort Brasilianisch (das zwar Portugiesisch ist, aber ungefähr so wie Bayrisch im Deutschen) - ich zum Glück schon. Wenn ein Brasilianer von sich sagt, er spreche „fließend Englisch“, dann ist das keinesfalls gelogen, es ist aber oft nur beinahe wahr. Er beherrscht drei unverzichtbare Worte, nämlich „yes“, „no“ und „stop“, die dafür jedoch fließend. So kommt es, dass ich ab jetzt nicht nur als fachliche Beraterin und Laiendarstellerin, sondern auch als Dolmetscherin, zum Einsatz komme.

In einem „Micro“ (so eine Art südamerikanischer VW-Bus) fahren wir Richtung Valenca, einem höchst einfachen „Dschungeldorf“ mit charmantem Lokalkolorit. Es liegt mitten im atlantischen Urwald (dem sogenannten Mata Atlantica). Hier befindet sich das Büro der Kooperative, wo wir nach einem herzlichen Empfang erst mal 3 volle Stunden über Fußball reden, weil wir Deutschen es doch geschafft haben bei der letzten WM die Argentinier zu besiegen. In „unserer“ Kooperative haben sich etwa 100 Familienbetriebe zusammengeschlossen, um z. B. Preise zu optimieren, gezielte Schulungen abzuhalten und medizinische Versorgung zu optimieren.

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3. Guarana und Machete

Der nächste Morgen - Treffpunkt um 6.00 Uhr auf der Plantage. Die Mittagshitze steigt auf 35 °C im Schatten, was heißt, dass es mitten auf der Plantage auch mal locker 50 °C sein können - der Gedanke an Sonnenstich kommt auf. Aber heute ist Drehtag der Guarana-Ernte.

Ein schnelles Frühstück aus Guarana-Säften und Keksen im Kreise der Erntehelfer und dann geht’s los. Jeder bekommt sein Erntewerkzeug: Korb, Zange und Machete (also das mit der Machete muss ich noch üben. Es ist mir kaum gelungen mir damit den Weg zu bahnen, geschweige denn eine Kokosnuss zu öffnen. Stattdessen habe ich den Boden perforiert).

Eine Guarana-Frucht ist reif sobald die äußere rote Schale aufplatzt und der darunterliegende schwarze Kern sichtbar wird. Guarana stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet. Die hervorragenden Wachstumsbedingungen in Bahia lassen die Pflanze auch hier sehr gut gedeihen. Inzwischen gilt das Bahia-Guarana als das qualitativ Hochwertigste Brasiliens.

Guarana wird nicht als Monokultur angebaut. Die Guarana-Stauden wachsen inmitten einer reichen Pflanzenvielfalt und sind weit verstreut. Während der Guarana-Ernte bringen es die Erntehelfer auf unebenen Trampelpfaden im hügeligen Gelände bei 40 °C im Schatten auf 5-10 km am Tag - ein wirklich anstrengender Job.

Für den kleinen Hunger zwischendurch wachsen uns praktisch Bananen oder frische, köstliche Kakaopflanzen in den Mund. Der Durst wird mit jungen erfrischenden Kokosnüssen gestillt, was auch erklärt, warum die Erntehelfer hier ständig mit einer Machete herumwedeln: erstens, um sich im Dickicht einen Weg zu bahnen, zweitens, um sich hier und da eine leckere Kokosnuss vom Baum zu schlagen.

Es ist Zeit fürs Mittagessen. Wir werden großzügig bewirtet. Es gibt Reis und Kartoffeln, Hähnchen, Speck, Fisch und – Manioc. Der darf nie fehlen – das aus ihm gewonnene Mehl wird ähnlich wie Parmesan verwendet. Wir essen aus einfachen Blechnäpfen – es schmeckt köstlich! Das Leben spielt sich draußen ab: Küche, Bad, Mahlzeiten – alles Open Air.

Am Spätnachmittag werden die geernteten Früchte in Säcke umgefüllt und in einer Hütte ca. 4-6 Tage zum Fermentieren gestapelt. Anschließend zerstampfen Erntehelfer im Samba-Takt mit ihren Füßen die fermentierten Kerne und lösen dabei die Schalen vollständig von den Kernen. Zuletzt werden die Kerne von Hand verlesen und schließlich in einem Wassertank gewaschen und mit einem Handsieb die obenauf schwimmenden Schalen abgeschöpft und als Naturdünger verwendet.

Die schwarzen Kerne werden nun auf einer offenen „Feuerstelle“ erhitzt, um die Feuchtigkeit auf ca. 7 % zu reduzieren. Nachdem die Kerne auf einer Plane abgekühlt sind, werden sie in Säcken verpackt ins Lager der Kooperative nach Valenca gefahren, wo sie in einer Holztrommel mittels eines Ventilators (den die Brasilianer stolz „Windkanal“ nennen) von restlichen Staub- und Schmutzresten gereinigt.

Interessant finde ich, dass der Hauptabnehmer „unserer“ Plantage der größte brasilianische Limonaden-Produzent ist, der das „Nationalgetränk“ Guarana (Wasser, Zucker und ein Hauch von Guarana) im ganzen Land mit viel Erfolg verkauft. Vor einigen Jahren gab es den Versuch, die Limonade in Europa einzuführen, was jedoch aufgrund der extremen Süße scheiterte.

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4. Acaiernte und Abschied

Meine Reise nähert sich dem Ende, das Galileo-Team ist bereits weitergereist. Ich nutze die Chance und besuche noch eine kleine Acai-Plantage.

Hier lebt auf seiner Fazenda der Plantagenbesitzer, der vor allem Acai und Gewürznelken anbaut, die einen enormen Boom erleben. Mitten im Urwald wachsen die jungen Acai-Palmen, ein beliebter Treff für blau-gelbe Papageien.

Ich habe eine Welt gesehen, die für Touristen selten zugänglich ist. Eine Welt ohne Handy, ohne Computer, ohne Fernseher. Nur Radio – man will ja wissen, ob wieder jemand die Argentinier besiegt. Die intensiven Eindrücke und Gefühle werden mich – wie so oft nach meinen Besuchen vor Ort - noch lange begleiten. Aber der nächste Besuch in dieser Vielfalt und Lebensfülle, in der puren Natur, wird nicht lange auf sich warten lassen.

Unsere Lieferanten sind ausschließlich kleine engagierte Familienbetriebe, deren Motivation der Erhalt des Regenwaldes als ihre Lebensgrundlage ist und nicht dessen Ausbeutung.


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